Gastfrei und gastfreundlich (sollen wir sein...)
Wenn Du Besuch erwartest, bist Du bestrebt, einen guten 'Eindruck' zu hinterlassen- Du räumst vorher auf, machst sauber, damit Dein Besuch sich bei Dir wohlfühlen kann.
Trifft der Besuch ein, wirst Du Deinen Gast wahrscheinlich unmittelbar nach der Begrüssung zunächst einmal fragen, was er trinken möchte und wirst bestrebt sein, ihm das Gewünschte anzubieten.
Später wirst Du wahrscheinlich etwas auftischen, was Du kurz zuvor frisch zubereitet hast: dazu hast Du beste Zutaten wohlschmeckend zusammengefügt, gewürzt & appetitlich angerichtet: schließlich soll es Dir und Deinem Besuch schmecken- & das Auge isst bekanntlich mit...
Anschließend setzt ihr euch wahrscheinlich gemütlich beisammen, um sich angeregt zu unterhalten- vielleicht schaut ihr euch auch gemeinsam einen Film an- oder spielt zusammen ein anregendes Gesellschaftsspiel-
kurzum: Du bist bestrebt, dass alle -einschließlich Dir!- sich wohlfühlen & den Besuch in angenehmer Erinnerung behalten.
So kommt man Dich gern wieder besuchen, weil es so 'schön' & 'nett' bei Dir war.
Das erscheint 'normal', und in der Regel wird es auch mehr oder weniger so ablaufen (zumindest sollte es das...).
Wir sind fast alle gerne ein 'guter Gastgeber'...
Nun aber Vorsicht beim Weiterlesen: jetzt wird’s unappetitlich & schier ekelig:
Nun stell Dir einmal vor, Dein Besuch kommt- und für jeden Gast greifst Du ein ungespültes Glas von der Spüle, tauchst es ins Klo ein & drückst es dem entsetzten Besucher kommentarlos als Getränk in die Hand.
Anstelle einer adretten & aufgeräumten Wohnung sehen die entgeisterten Besucher in allen Zimmern volle Mülltüten, in die Du währenddessen wahllos reingreifst, deren unappetitlichen Inhalt auf schmutzige Teller packst und diese Deinen schockierten Gästen vorsetzt-
und während der ganzen Zeit läufst Du rast- & ruhelos durch die Wohnung und meckerst & schimpfst dabei ohne Unterlaß lautstark vor Dich hin.
Wenn trotz Allem Vorhergegangenen dennoch ein Gast versuchen sollte, einen persönlichen Kontakt herzustellen und Dich zögerlich-zaghaft anspricht, schreist Du laut Hetzparolen durch den Raum, stellst im TV einen Nachrichtensender ein, drehst die Lautstärke hoch- und während Du begleitend immer wieder mit ausgestreckten Arm & vorgerecktem Zeigenfinger auf den Fernseher zeigst, kommentierst Du dabei die dort flimmernden Beiträge mit statakkomässigen Kommentaren wie „DA!!!“ „SIEHSTE?? SIEHSTE!!!“ „SAG ICH DOCH!!!“ „SO WEIT IST'S GEKOMMEN!!“ „ICH GLAUB'S JA NICHT!!“ -
was meinst Du: wie lang wird Dein Besuch bleiben?
Und was denkst Du: wird er wiederkommen?
Wohl kaum...
Sorry für den aufsteigenden Ekel bei meiner Schilderung-
aber genau so ergeht's mir mitunter, wenn ich die FB-Pinwände vermeintlicher 'Freunde' oder 'Glaubensgeschwister' besuche...
Manchmal muss man 'wachrütteln', 'schockieren', um die rasch um sich greifende 'Apathie' & Lethargie' zu überwinden...
Sind wir wirklich derart abgestumpft & gleichgültig geworden, dass Vieles, was uns früher entrüstet & aufgebracht hätte uns heute tatsächlich sprichwörtlich 'am Ar... vorbei geht', gleichgültig, egal ist??
Im 'wirklichen Leben' wäre die zweite Schilderung nahezu undenkbar- in der 'virtuellen Welt' ist sie bereits schon Realität- mit stetig ansteigender Tendenz...
Gastfreundschaft ist eine Tugend- die Bibel ermutigt uns an zahlreichen Stellen dazu:
„Seid gastfrei gegeneinander ohne Murren.“ (1Petr 4,9)
„an den Bedürfnissen der Heiligen nehmt teil; nach Gastfreundschaft trachtet.“ (Röm 12,13)
„Die Gastfreundschaft vergesst nicht, denn durch diese haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“ (Hebr 13,2)
Bezeichnenderweise sollte auch ein geistlicher Leiter diese Tugend vorweisen- so schreibt Paulus über 'Älteste', die, wie er es ausdrückt, als 'Aufseher', 'GOTTES Verwalter auf Erden' eingesetzt werden sollen:
"Das Wort ist gewiss [O. zuverlässig, o. treu]: Wenn jemand nach einem Aufseherdienst trachtet, so begehrt er ein schönes Werk. Der Aufseher nun muss untadelig sein, der Mann einer Frau, nüchtern, besonnen [O. Gesunden Sinnes], bescheiden [O. anständig(em), o. ehrbar(em)], gastfrei, lehrfähig;“ ; nicht dem Wein ergeben, kein Schläger, sondern milde, nicht streitsüchtig, nicht geldliebend, der dem eigenen Haus wohl vorsteht, der seine Kinder in Unterwürfigkeit [O. Unterordnung] hält mit allem würdigen Ernst [wenn aber jemand dem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie wird er für die Versammlung Gottes Sorge tragen?], nicht ein Neuling, damit er nicht, aufgebläht, ins Gericht des Teufels falle [d.h. sich überhebe wie der Teufel und so unter dasselbe Strafurteil Gottes falle]. Er muss aber auch ein gutes Zeugnis haben von denen, die draußen sind, damit er nicht in Schmach und in den Fallstrick des Teufels falle.“ (1Tim 3,1-7)
„Denn der Aufseher muss untadelig sein als Gottes Verwalter, nicht eigenmächtig, nicht zornmütig, nicht dem Wein ergeben, nicht ein Schläger, nicht schändlichem Gewinn nachgehend, sondern gastfrei, das Gute liebend, besonnen [O. Gesunden Sinnes], gerecht, fromm [O. heilig], enthaltsam [O. Beherrscht],“ (Tit 1,7+8)
Was bewegt einige von uns -als selbsternannter 'Aufseher' über 'Recht & Ordnung' & 'moralische/ethische Werte'- nun dazu, ihre FB-Pinnwand als Pranger zu verwenden (zu mißbrauchen!), um dort Besucher nicht 'gastfreundlich' zu empfangen, sondern vielmehr -gnadenlos & unerbittlich- mit 'Mißständen', 'Problematiken' & 'Ungerechtigkeiten' unausweichlich zu konfrontieren?
Das hat GOTT s o nicht gewollt!
ER hat uns angewiesen, uns untereinander liebevoll(!) zu ermahnen & aufzuerbauen:
„Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen, indem ihr in aller Weisheit euch [O. wohnen in aller Weisheit, indem ihr euch] gegenseitig lehrt und ermahnt mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern, Gott singend in euren Herzen in Gnade [W. in der Gnade (d.h. im Geist der Gnade)].“ (Kol 3,16)
„es sei, der ermahnt, in der Ermahnung; der gibt, in Einfalt [O. Lauterkeit, o. Aufrichtigkeit]; der vorsteht, mit Fleiß; der Barmherzigkeit übt, mit Freudigkeit.“ Röm 12,8)
Von Hetzkampagnen, Aufrührertum, Verunglimpfung oder gar Schmähung & Beschimpfung ist in SEINEM lebendigen Wort nicht die Rede...
Vielmehr ist dort statt dessen zu lesen:
„Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet;“ (Mt 7,1)
„Und richtet nicht, und ihr werdet nicht gerichtet werden; verurteilt nicht, und ihr werdet nicht verurteilt werden. Lasst los, und ihr werdet losgelassen[O. sprecht frei, und ihr werdet freigesprochen] werden.] (Lk 3,37)
„Richtet nicht nach dem Schein, sondern richtet ein gerechtes [W. das gerechte] Gericht!“ (Joh 7,24)
und:
"Und er sprach zu ihnen: Gebt Acht, was ihr hört; mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird euch zugemessen werden, und es wird euch hinzugefügt werden." (Mk 4,24)
"denn mit welchem Urteil ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden." (Mt 7,2)
Das kann -und soll!- durchaus als Warnung verstanden werden, sich nicht allzu weit 'aus dem Fenster zu lehnen' und nicht 'übers Ziel hinauszuschießen'...
Schauen wir nicht auf die Welt, ihre Mißstände, ihre Ungerechtigkeiten- schauen wir auf IHN!
Abschließend möchte ich auch noch eine Lanze für unsere Politiker brechen:
anstatt sie zu kritisieren, den Fokus auf ihre Fehler & Unzulänglichkeiten zu richten (sie sind Menschen, keine Maschinen!) sollten wir sie statt dessen f ü r ihr & i n ihrem verantwortungsvollen Amt segnen: damit sie -derart gerüstet & gestärkt- den Angriffen, Intrigen & Versuchungen des Feindes (dessen erklärtes Ziel sie unzweifelhaft sind), mehr & mehr erfolgreich widerstehen und uns und unsere Interessen mehr und mehr gut & würdig vertreten können.
[Impuls vom 27.09.2015]
