Du bist, was du ißt
Du hältst Deine Wohnung sauber, saugst Teppiche, wischt den Boden feucht, spülst das Geschirr, und Deine Nahrungsvorräte sind verschlossen in Schränken & Regalen.
Das machen Menschen seit Anbeginn der Zeiten: den Ort, an dem sie leben, sauber halten- zum Einen, um sich wohlzufühlen- zum Anderen, um Schädlinge & Parasiten fernzuhalten: denn diese sind ständig auf der Suche nach Nahrung: finden sie etwas, lassen sie sich nieder und bleiben solange, wie sie Eßbares vorfinden- versiegt die Quelle, ziehen sie weiter.
Es gilt: 'Was Du fütterst, bleibt bei Dir'...
Bei unseren Wohnungen ist das -wie eingangs erwähnt- kein nennenswertes Problem: hier ist Sauberkeit & Hygiene nahezu selbstverständlich-
aber: wie sieht es z.B. mit unseren Gedanken aus? Halten wir auch diese so sauber wie unsere Wohnungen?
Oder unser 'virtueller Lebensraum', z.B. unsere Pinnwand bei Facebook: was posten wir dort, welche posts anderer lassen wir zu?
Oder unser TV-Programm: welche Sendungen schauen wir, was für Botschaften empfangen wir?
Was wir dort sehen, ist geistige Nahrung: wir nehmen sie auf, verdauen & verwerten sie.
Bei unserem Essen sind wir oftmals kritisch: wir schauen auf die Zutatenliste, vermeiden Fett & Zucker, unsere Eier sind von freilaufenden Hühnern, das Gemüse aus kontrolliert biologischem Anbau, Kaffee & Tee sind ‘Bio’ & 'fairtraded'- kurz: wir bemühen uns, uns 'gesund' zu ernähren.
Bei unser geistigen Nahrung sieht es anderes aus: hier konsumieren wir wahl- & kritiklos, was angeboten wird: Gewalt, Intrigen, Mord & Totschlag, Sexualität als Ware, Brutalität als Lösungsweg. Das alles nehmen wir als 'Nahrung' zu uns, d.h. dies alles müssen wir verdauen & verwerten.
Wir predigen Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Liebe & Frieden, konsumieren aber das genaue Gegenteil.
Wenn ich meinem Körper zuviel Zucker zuführe, muss dieser damit 'fertig' werden. Auf dessen Symptome wie z.B. Übergewicht & Fettleibigkeit reagieren wir prompt: wir treiben Sport, rennen ins nächstgelegene Fitnessstudio, beginnen, unsere Ernährung umzustellen- und unsere Waage wird zum Zentrum unsrer Aufmerksamkeit.
Was aber im geistlichen Bereich? Wir schauen uns weiter kriegsverherrlichende Filme an, identifizieren uns mit wild herumballernden Aktionhelden, schauen gebannt zu, wie Gewalt scheinbar zur Lösung führt, surfen zudem wie selbstverständlich im Internet über Pornoseiten- und indessen posten wir weiter fromme Bibelsprüche neben ertrunkenen oder missbrauchten Kindern oder Hasstiraden gegen Andersdenkende auf unserer Facebook-Pinnwand.
Der Volksmund sagt: "Man ist, was man ißt": welche Nahrung nehme ich zu mir?
Dies gilt sowohl auf der Körperlichen wie ebenso auf der geistlichen Ebene: Was habe ich zu verdauen, was kann ich aus meiner Nahrung verwerten?
Wenn ich tagein, tagaus Nachrichten & Filme konsumiere, in denen Mord & Totschlag, Hass, Gewalt, Brutalität an der Tagesordnung ist: was habe ich dann zu verdauen?
Wenn ich mich ungesund ernähre: wie kann ich erwarten, dass mein Körper dennoch optimal versorgt wird und gesund ist & bleibt?
Und wenn ich geistlich tagtäglich das Vorgenannte zu mir nehme: wie kann ich erwarten, das dann 'Gutes' aus mir herauskommt?
Die Bibel sagt: "An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Sammelt man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen? So bringt jeder gute Baum gute Früchte, aber der faule Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen, noch <kann> ein fauler Baum gute Früchte bringen. Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Deshalb, an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen." (Mt 7,16-20)
Ich kann mich für einen Apfelbaum halten- aber wenn an meinen Ästen Birnen wachsen, bin ich de facto keiner.
Ich kann mich für einen Christen halten- aber wenn meine Frucht nicht ”Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit & Treue” (Gal. 5,22) ist- was bin ich dann wirklich?
"Ich, der HERR, erforsche das Herz und prüfe die Nieren, und zwar um einem jeden zu geben nach seinen Wegen, nach der Frucht seiner Handlungen." (Jer 17,10)
"Schon ist aber die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum nun, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen." (Mt 3,10)
Ich kann weiter sagen "Schuld sind die Anderen!" und z.B. das 'Flüchtlingsproblem', 'ISIS', die 'Islamisierung' oder den Islam an sich, den Terrorismus oder was auch immer grad heftigst & kontrovers diskutiert wird als Grund nehmen, dass unsere Welt & unser (christliches) Wertesystem zusehends verfällt-
oder aber ich beginne, mich selbst zu hinterfragen: meine Motivation, was ich täglich zu mir nehme- oder was meine 'Frucht' tatsächlich ist...
Es steht nämlich auch geschrieben: "Und das Land wird zur Wüste werden wegen seiner Bewohner, wegen der Frucht ihrer Handlungen." (Mi 7,13)
[Impuls vom 19.09.2015]
