Nur ein Klick

Gestern habe ich mehrere Kommentare zu einem Posting einer Freundin auf einem bekannten Kommunikationsportal abgegeben- wie ich fand, recht witzige. Als ich heute nachsehen wollte, ob & wie meine Kommentare ‚angekommen‘ waren, hatte meine Freundin sie gelöscht. Selbstverständlich kann & darf sie das: es war schliesslich ‚ihr‘ Posting- und meine Kommentare waren etwas ‚off topic‘, sprich: sie gingen am Ziel vorbei. Aber sie waren -wie ich fand- durchaus lustig, und es hätte eine lockere Kommunikation stattfinden können. Meine Freundin war da wohl anderer Meinung, und so genügte ein Klick, ihrerseits, um meine Kommentare zu löschen.
An sich nichts Dramatisches- aber so wurde mir die ‚Macht‘ des Internets bildhaft bewusst:
mit nur einem Klick war ich ‚draussen‘, nahm nicht mehr an der Diskussion teil.
Nichts deutete noch darauf hin, dass ich ursprünglich mal beteiligt war. Ich war -im wahrsten Sinne des Wortes- ‚ausgelöscht‘ worden.
 
Natürlich hat das auch sein ‚Gutes‘: mit nur einem Klick kann ich alle lästigen, anzüglichen, obszönen, unflätigen oder wie auch immer geartete Kommentare löschen- allerdings auch die, die mir z.B. einfach nur nicht ‚gefallen‘- und so auch den Charakter meines Postings verändern.
 
Stelle ich zum Beispiel eine provokante Frage und lösche alle konträren Kommentare und lasse nur die ‚konformen‘, zustimmenden Kommentare stehen sieht es so aus, als würde ich nur ‚Zustimmung‘ erhalten.
 
Was hier -quasi exemplarisch- im ‚Kleinen‘ stattfindet, endet im ‚Grossen‘ z.B. als ‚Zensur‘ in diktatorisch regierten Ländern: Kritiker und Andersdenkende werden mundtot gemacht- jeder Widerspruch wird im Keim erstickt.
 
Aber auch andere Dinge lassen sich ‚mit nur einem Klick‘ erledigen- Gutes wie Schlechtes: ich kann im Internet so schnell etwas kaufen- oder aber auch in einer Abofalle landen.
 
Wie viele Männer -mich eingeschlossen- sind nicht schon beim ‚harmlosen Surfen‘ im Internet dem Feind ‚auf den Leim‘ gegangen: plötzlich poppt unvermutet ein Bild mit einer e(x/r)otischen Schönheit auf- und es braucht ‚nur einen Klick‘- und schon landet man in einem Sumpf von einschlägig pornografischen Seiten, die sich ungefragt eine nach der anderen blitzschnell öffnen- und unversehens ist man
-obwohl man(n) es gar nicht beabsichtigt hatte- schon in diesem Sumpf gefangen.
 
Heute passiert mir das nicht mehr: ich habe div. Schutzprogramme (wie z.B. Adblocker) geladen, wenn ich im Internet unterwegs bin- da komme ich gar nicht erst ‚in Versuchung‘.
 
Somit will ich das Internet keinesfalls ‚verteufeln‘- es ist durchaus auch eine tolle Sache: ich kann z.B. einen Begriff oder eine Frage in das Suchfenster des Browsers eingeben- und ‚mit einem Klick‘ öffnen sich etliche links, die ich -wiederum ‚mit einem Klick‘- öffnen und dort die gesuchte Antwort finden kann (wer wie ich früher noch mit einem gedruckten Lexikon ‚auf der Suche‘ war (und das meist, wenn man es brauchte, nicht ‚zur Hand‘ war) weiss dies durchaus zu schätzen).
 
Aber es birgt eben auch Gefahren: auf sogen. ‚Portalen‘ z.B. kann ich mir eine Pseudo-Identität verschaffen oder mich hinter einem ‚Alias‘-Namen verstecken und so z.B. Statements abgeben & Dinge posten, die ich unter meinem wahren Namen nie öffentlich posten würde- nicht nur theoretisch könnte ich mir so eine ‚andere‘ Identität schaffen und mit & unter dieser ungehemmt agieren (was nicht Wenige auch tun).

[Impuls vom 12.09.2019]