Vaterliebe

Wir -als Christen- sind aus Gnade gerecht durch JESUS CHRISTUS- nicht durch unsere 'guten Werke'- es gibt keine 'Werksgerechtigkeit'. 


Nicht so, als ich noch ein Kind war: da habe ich -durch meine Eltern, insbesondere durch meinen Vater- gelernt, dass ich belohnt werde, wenn ich das 'Richtige' tue- und bestraft, wenn ich etwas 'Falsches' mache.

Dies ist nicht zwar nicht grundsätzlich falsch- allerdings war bei mir 'Liebe' (respektive das, was ich dafür gehalten habe) Gegenstand der Bestrafung und Belohnung. So dachte ich, dass man sich Liebe 'verdienen' kann- mehr noch: verdienen muss.
Das Schlimme war, dass mein Vater mir zudem stets das Gefühl vermittelte, nicht 'gut genug' zu sein, zu viel 'falsch' zu machen. Ich litt insgeheim sehr unter diesem seinen 'Liebesentzug'- quasi als 'Schutz' nach Außen legte ich mir eine 'taffe' Schale zurecht, versuchte 'cool' zu wirken, um den inneren Mangel zu kaschieren & zu verbergen. Das Gefühl, 'um meiner Selbst willen' geliebt zu werden habe ich -als Kind- nicht kennengelernt...

Auch später in meinen Beziehungen glaubte ich, mir 'Liebe' verdienen zu müssen- und dachte insgeheim stets noch immer, dass ich nicht 'gut genug' bin, um wirklich geliebt zu werden. Dies ging so weit, dass ich sogar argwöhnisch & mißtrauisch wurde, wenn mir jemand sagte, dass er mich liebt- ich dachte, jetzt will er etwas von mir: ich muss nun bestimmt etwas als 'Gegenleistung' für diese 'Liebe' erbringen.

So war 'Liebe', wie ich sie kannte, eher ein 'Bezahlungsmittel' als ein wirkliches Gefühl- und gewissermassen auch eine 'Handelsware'. So war ich gar nicht zu einer 'echten' Beziehung fähig...


Als ich Christ wurde, hatte ich noch immer dieses 'Vaterbild' in mir: ein Vater, dessen 'Liebe' man sich verdienen musste- und leider auch das Bild eines Vaters, der Versprechungen machte, die er nicht -oder nur ganz selten- einhielt (so war es jedenfalls bei mir mit meinem Vater)- und der -so sah ich es- genaugenommen niemals wirklich für mich da war, wenn ich ihn brauchte...


Ich hatte kein Problem, JESUS als GOTTES Sohn zu sehen, glaubte an ihn, an seine Werke, sein Wirken- aber GOTT als Vater zu sehen stellte noch immer ein wirkliches Problem für mich dar.


Ich las & hörte von SEINER bedingungslosen Liebe- aber in mir war keine Resonanz: da klang nichts 'an' oder 'mit': ich kannte 'Vaterliebe' eben nicht...


Inzwischen war ich bereits etliche Jahre 'mit JESUS' unterwegs, mein 'Christsein' bereits tief in mir verwurzelt- und hatte sogar schon einen 'Dienst': in meiner damaligen Ortsgemeinde leitete ich einen 'Männerabend', und in einem christlichen Missionswerk arbeitete ich bereits seit einigen Jahren als Mitarbeiter & Referent bei den dortigen 'Männertagen' mit: ein Seminar nur für Männer, das mehrmals im Jahr angeboten wurde und jeweils ein Wochenende von Freitag Abend bis Sonntag Nachmittag dauerte.


An einem dieser Seminare hatte ich ein Schlüsselerlebnis: nachdem ich einen Vortrag gehalten hatte, kam ein Mann, der vom Alter her mein Vater hätte sein können, auf mich zu und fragte, ob ich etwas Zeit für ihn hätte. Wir begannen miteinander zu reden. Im Gespräch meinte er, dass er sich bei mir bedanken müsse: durch meinen Vortrag hätte er das erste Mal überhaupt einen Eindruck davon bekommen, was 'Vaterliebe' tatsächlich sei. Bei diesen Worten füllten sich seine Augen mit Tränen, und mit tränenverschleiertem Blick fragte er mich, ob ich ihn in den Arm nehmen könnte. 
Während wir uns umarmten, stiegen auch in mir Tränen auf, und Fragen schossen mir durch den Kopf: Wie konnte i c h jemanden 'Vaterliebe' vermitteln? Ich kannte sie doch selbst gar nicht...? Wie war das möglich? Wie konnte ich etwas geben, was ich selbst gar nicht hatte?
Ich betete: „HERR- wie ist das möglich?“

Wie als Antwort von IHM kamen mir spontan einige Bibelstellen in den Sinn:

„Ehe ich dich im Mutterleib bildete, habe ich dich ersehen [od. erkannt], und bevor du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt; zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt!“ (Jer 1,5)
„..denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, war verloren und ist gefunden worden.“ (Luk 15,24a)
„Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“ (Luk 3,22b)
„Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.“ (1.Joh 4,19)

Schon seltsam: da umarmen sich zwei an sich 'wildfremde' Männer- und es findet -im wahrsten Sinne des Wortes!- VerSÖHNung statt: ich hatte einen tiefen Eindruck, eine so lang ersehnte Umarmung mit meinem (zu dieser Zeit schon länger verstorbenen) leiblichen Vater quasi in diesem Moment 'nachzuholen'- und bin mir ziemlich sicher, dass es diesem Mann in diesem Moment ähnlich erging. 
Als wir uns aus der Umarmung lösten, schauten wir uns noch tief in die Augen: in seinem Blick glaubte ich tiefen Frieden, Freude und, -wie es mir schien- auch Liebe erkennen zu können- und genau das empfand ich in diesem Moment auch...


Im Nachhinein resümierend denke ich, dass, als wir uns umarmt haben, uns in diesem Moment 'GOTT-Vater' selbst gewissermassen umarmt hat, um uns so SEINE bedingungslose Vaterliebe zu zeigen, uns diese spüren zu lassen.


[Impuls vom 07.10.2015]