Gott dienen
Wir wollen Gott dienen. Unbestritten. Aber wie sieht unser Gottesdienst aus?
Träumen wir davon, große Evangelisten zu sein, vor Dutzenden, Hunderten oder gar Tausenden von Menschen zu predigen- und beim anschließenden Aufruf stürmen etliche Menschen nach vorn, um ihr Leben Jesus zu übergeben?
Ist das unsere Vorstellung?
Oder sehen wir uns Missionare, Propheten, Lehrer?
Oft denken wir -oftmals sogar zu Recht!-, dass wir 'zu Höherem' berufen sind, das GOTT ganz besondere Gaben & Talente in uns gelegt hat.
Und schon beginnen wir voller Eifer, in unserer vermeintlichen 'Berufung' zu wirken: wir fangen an zu predigen, zu missionieren, zu evangelisieren, zu lehren.
Die alles entscheidende Frage, die sich dabei stellt, ist: sind wir bereits berufen u n d auserwählt?
Jeder Berufung geht eine Vorbereitung voraus: eine Ausbildung, aber mehr noch eine Zubereitung: wir werden geformt, geschliffen- mitunter ist auch ein Zerbruch nötig, damit wir SEINE Werkzeuge sein können, ER uns überhaupt gebrauchen kann.
GOTT braucht reine Gefässe, in die sich SEIN Geist ergiessen kann, um daraus zu wirken.
Wir aus uns selbst heraus vermögen nichts...
GOTT beruft, und ER wählt aus- zu SEINEM Zeitpunkt.
Nicht umsonst heisst es in der Bibel: Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte.
Was geschieht, wenn wir aus eigener Kraft, aus eigener Motivation einer vermeintlichen Berufung folgen wollen, wird uns drastisch in einem Beispiel in der Bibel anhand der sieben Söhne Skeva's, eines jüdischen Hohepriesters, in der 'Apostelgeschichte' Kap. 19 verdeutlicht:
GOTT benutzt Paulus, um durch dessen Hände 'außergewöhnliche Wunderwerke' zu tun: so legte dieser legte Kranken die Hände auf, und sie wurden gesund. Sogar Schweisstücher oder Schürzen, die Paulus am Leib getragen hatte, heilte Kranke & trieb böse Geister aus- so stark war GOTTES Kraft & Salbung auf Paulus.
Dies wollten sich auch jüdische Beschwörer, die unterwegs waren, zu Eigen machen- so riefen auch sie den Namen Jesus an, um böse Geister auszutreiben- so auch die Söhne Skeva's. So sagten sie zu einem bösen Geist, der in einem Menschen war: „Ich beschwöre dich bei dem Jesus, den Paulus predigt“- worauf der böse Geist antwortete: „Jesus zwar kenne ich, und von Paulus weiss ich; ihr aber- wer seid ihr?“ Alsdann sprang der Mensch, in dem der böse Geist war, auf sie los, bemächtigte sich ihrer und überwältigte sie, sodass sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen.
Demütigend... Nichts von Anerkennung.
Warum? Weil sie keine persönliche Beziehung zu Jesus hatten, weil sie sich nicht unter Seine Leitung untergeordnet hatten- und, nicht zuletzt, weil sie nicht zu diesem Dienst berufen u n d eingesetzt waren.
Sie hatten sich nicht dienend gedemütigt, sondern es vielmehr 'für sich selbst' getan, um Ruhm & Anerkennung zu ernten.
Doch wie sieht wirklicher, wahrer Gottesdienst aus?
Paulus hat es in einem einzigen Satz zusammengefasst:
„Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Galater 5, 13+14)
Dasselbe sagte Jesus selbst: „Das erste ist: „Höre, Israel: Der Herr, unser Gott, ist ein [O: ein einziger] Herr; und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand [O. Sinn od. Gesinnung] und aus deiner ganzen Kraft. Das zweite ist dieses: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Größer als diese ist kein anderes Gebot.“
(Markus 12, 29-31)
Gleiches lesen wir auch beim Evangelisten Matthäus: „Er aber sprach zu ihm: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand. Dieses ist das große und erste Gebot. Das Zweite aber, ihm Gleiche, ist: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“
(Matthäus 22, 37-40
Interessant an dieser Stelle auch der McDonald-Kommentar zu Matthäus 22,39+40 :
[Dann fügte Jesus die zweite Verpflichtung des Menschen hinzu, nämlich das Gebot, seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst. Barnes sagt: »Liebe zu Gott und den Menschen ist der ganze Inhalt der Frömmigkeit: Mose, die Propheten, der Heiland und die Apostel lebten danach. Unser Herr ist diesem Gebot vollständig gerecht geworden.« Wir sollten diese Worte öfter bedenken: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« Wir sollten nachdenken, wie viel wir tun, um uns selbst zu lieben, wie viele unserer Handlungen sich um unsere eigene Bequemlichkeit drehen. Dann sollten wir versuchen, uns vorzustellen, wie es wäre, wenn wir diese Liebe unseren Nächsten weitergeben würden. Und dann sollten wir danach handeln. Solches Verhalten liegt uns nicht, es ist übernatürlich. Nur wenn wir von Neuem geboren sind, können wir so leben, und auch nur dann, wenn wir Christus gestatten, es durch uns zu tun.]
Bevor wir uns also Gedanken darüber machen, zu welchem 'großartigen Dienst' wir berufen sind sollten wir zunächst einmal in uns gehen & schauen, wie es um dieses 'große und erste Gebot und dem ihm gleichen Zweiten' überhaupt in uns bestellt ist.
Lieben wir Gott mit ganzer Seele, ganzem Herzen und ganzem Verstand?
Lieben wir unseren Nächsten wie uns selbst- tatsächlich-
oder hegen wir nicht doch noch insgeheim Groll gegen Jemanden, der uns 'ungerecht' oder 'schlecht' behandelt hat? Oder verurteilen Jemanden, weil er etwas getan hat, was unseren eigenen Werte- & Moralvorstellungen zutiefst entgegenspricht?
Sind wir frei von egoistischen Motiven-
oder suchen wir nicht doch unterschwellig noch immer unseren 'Vorteil'?
Ist es uns tatsächlich gleichgültig, wie andere über uns denken-
oder wollen wir nicht doch lieber 'anerkannt', 'beliebt', 'geachtet' und 'respektiert' sein?
Erst wenn wir diese Fragen uneingeschränkt mit 'Ja' beantworten können, sollten wir uns um 'unseren Dienst' Gedanken machen...
GOTT wird es uns zweifelsfrei wissen lassen, wenn ER uns für geeignet erachtet und uns beruft u n d in einen Dienst einsetzt- zu SEINER Zeit...
[Impuls vom 20.09.2015]
